Fresken, Farben, Fälschungen:

Der Schwahl - Kreuzgang am Dom

Truthahn Eine erneute Restaurierung ab 1933 unter Professor Emil Fey, an der auch Lothar Malskat (1913 - 1988) beteiligt ist, löst den Schleswiger Truthahnstreit aus.

Die „Freilegung“ von vier Truthahnfresken im Schwahl wird als Beleg für die Entdeckung Amerikas durch Wikinger aus dem nahen Haithabu gedeutet: Truthähne entthronen Kolumbus – titeln die Schleswiger Nachrichten. Der Aussage von Olbers, er hätte die Tiere ergänzt und den Zeitfehler nicht bemerkt, schenkt man – ganz im Bann germanisierender NS-Ideologie – keinen Glauben. Erst die Selbstanzeige Malskats und der folgende Fälscherprozess führt zu einer klärenden Neubewertung der Schwahlrestaurierung durch Fey.

Engel GabrielDie Wandbilder im Schwahl beschreiben das Leben Jesu in einer Folge einfarbiger Rötelzeichnungen, beginnend mit den Heiligen Drei Königen im Westflügel. Im Nordflügel zeigen sie die Passionsgeschichte. Die Reihe endet mit dem Tod Marias, dem einzigen erhaltenen Fresko im Ostflügel.

Im Kontrast zu den Wandbildern sind die Gewölbe des Kreuzganges mit starkfarbigen Drôlerien geschmückt. Wir sehen phantastisch-groteske Szenen mit Drachenmenschen, Musikanten, Jagdgesellschaften und Kopffüßern, die – wie man meist deutet – im Gegenzug zur Ruhe der Heilsgeschichte das lärmende „weltliche Treiben“ im Stile der Zeit schildern.

Engel GabrielStilistische Bezüge lassen sich aufweisen zur englischen Buchmalerei, etwa im Book of Kells, zu Marienkirche und Dom in Lübeck sowie zu den Fresken im Schleswiger Rathaus, dem früheren Graukloster, das vermutlich von der gleichen Werkstatt ausgemalt wurde.

Schwahl 1 | Schwahl 2

Fragment



Arschgesicht



Monster



Monster



Schlussstein