Fresken, Farben, Fälschungen:

Der Schwahl - Kreuzgang am Dom

Kreuzgang

Schleswig lag tief im Schnee. Im Hotel hockten Kaufleute und spielten Karten, weil die Züge steckengeblieben waren. Kreisbauinspektor Hotzen ging nachmittags mit mir zum Dom. Vor der Tür des Schwahls zog er einen Schlüssel aus der Tasche, wir traten ein und befanden uns in einem enggedrängten Jahrmarktstreiben. Auf Tischen lagen Waren ausgebreitet, brannten Kerzen. Im Schwahl eine erstickende schwüle Luft. Da bemerkte ich, dass an der Westwand große Bilder aus der Heilsgeschichte durch eine helle Tünche schimmerten. Damals war der Schwahl verglast. In ihm hatten die Husaren exerziert. An den Wänden waren Grabsteine. Durch ein Fenster sah man auf den tiefverschneiten Kreuzganghof und die Mauer des Domes. – E. Ehrhardt, 1886

Wechselvoll ist die Geschichte des Schwahls (auch Swaal, von dänisch svale = gedeckter, kühler Gang, Kreuzgang), der vermutlich Anfang des 14. Jahrhunderts erbaut und wohl durch eine Lübecker Werkstatt unter Bischof Johannes II. Bokholt (1308-1331) ausgemalt wurde.

Im Schwahl nahm die Reformation in Schleswig ihren Ausgang, als bald nach 1520 der als „toller Friedrich“ bekannt gewordene Ex-Mönch unter dem Schutz der Bürger und gegen den Widerstand des Domkapitels die ersten evangelischen Predigten hielt. Später war hier das Paedagogium Publicum, die Gelehrtenschule des Herzogtums untergebracht.

Schleswigs Chronist Ulrich Petersen berichtet um 1700 von Stuben und Klausen der Domgeistlichen im Obergeschoss, in denen zwischenzeitlich Getreide gelagert wurde und die ganz wüst liegen und zu nichts gebraucht werden. Im Erdgeschoss kennt er einen wohleingerichteten Buchladen und bequeme Begräbnisse und zitiert Stiftungsurkunden, wonach bis zur Reformation sonntags Seelenmessen im Schwahl gehalten wurden.

Zur „Domzeit“ im Februar, so Petersen, dient dieser Platz den fremden und heimischen Kaufleuten zu ihren Buden und Kramläden. Daran knüpft der heutige Schwahlmarkt mit deutschem und dänischem Kunsthandwerk im Advent an.

Im 19. Jahrhundert entging der Schwahl nur knapp dem Abriss.

Handzeichnung von 1883

Ab 1883 macht der preußische Bauinspektor Hotzen auf die Bedeutung der Wand- und Deckenfresken aufmerksam. Im Zuge des Domturmbaus werden sie ab 1889 ebenso wie die Malereien im Dom durch Friedrich Olbers restauriert und ergänzt.

Schwahl 1 | Schwahl 2

Fragment



Arschgesicht



Monster



Monster



Schlussstein