Holland,Humanismus, Hexenprozess:

Caeso Eminga und die Domkanzel

Mit der Aufwertung des Wortgottesdienstes seit der Reformation wurden Kanzeln zu reich verzierten Schmuckstücken.

Kanzel

Gut 30 Jahre nach der ersten evangelischen Predigt im Dom stiftete Caeso Eminga (1512 - 1574) aus Groningen die Kanzel. Sein Wappen (Schmetterling mit Blüten) ziert neben Bischofswappen und LAVS DEO (Zum Lob Gottes) die Tür. Inschrift: Was euch gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den Dächern. (Mt 10,27)

Eminga war vom evangelischen Bischof Tilemann von Hussen aus Wittenberg an den Dom geholt worden. Er sollte die Domherren fortbilden, an der höheren Schule unterrichten und den Bischof beim Predigen entlasten. Eminga war mit Bugenhagen und Melanchthon befreundet und galt als sehr gebildeter Theologe.

Nach holländischen Vorbildern gestaltet, dokumentiert die Kanzel den gelehrten Humanismus der Renaissance. Die Säulen am Korb und die Hirtenstatue über der Tür orientieren sich an der Antike. Die Umschrift folgt der Bibelübersetzung des Erasmus von Rotterdam. Alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung. (2. Tim 3,16) - Ein Diener des Herrn soll nicht streitsüchtig sein, sondern freundlich gegen jedermann, im Lehren geschickt, der Böses ertragen kann und mit Sanftmut die Widerspenstigen zurechtweist. (2. Tim 2,24-25)

Petrus

Der Bilderfries ist als evangelischer Katechismus gedacht und erschließt sich vom Ende her. Tafel 7 (Westen) nimmt den Betrachter als Predigthörer in die biblische Bildwelt hinein und zeigt Petrus, der vor dem Haus des Cornelius predigt. Vorne wird ein Hörer getauft, darüber schwebt der Geist als Taube. Unterschrift: Während Petrus noch diese Worte redete, fiel der heilige Geist auf alle, die dem Wort zuhörten. (Act 10,44)

Die Tafeln 1 – 6 verbildlichen die Botschaft, die Petrus und mit ihm die Domprediger zu verkündigen haben.

Tafel 1 (Osten) zeigt Mose mit den Gesetzestafeln auf dem Berg Sinai, darunter das Volk. Die Inschrift unterstreicht das Erschrecken des Volkes über den unendlichen Abstand zwischen Mensch und Gott: Lass Gott nicht mit uns reden, wir könnten sonst sterben. (Ex 20,19).

Schlange

Auf Tafel 2 deutet Mose auf eine aufgerichtete Schlange, ringsum sind Menschen, die mit Schlangen kämpfen. Num 21,8: Mache dir eine eherne Schlange, richte sie an einer Stange auf; wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben.

Pesttaler

In der reformatorischen Symbolwelt spielt die eherne Schlange eine wichtige Rolle. Melanchthon führte sie im Wappen, bei Pestausbrüchen prägte man sie auf Taler und Medaillen. Biblische Schlüsselstelle ist Johannes 3,14-15: Wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

Die Reformatoren verstanden die Szene als Vordeutung der Kreuzigung und Sinnbild des Vertrauens auf Gott. Nicht aktive „Werke“ retten vor der Schlange, dem Symbol von Sünde und Tod. Das vermag allein die glaubende Versenkung in das Gnadenzeichen – Christus am Kreuz, der vermittelnd in den Abstand zwischen Gott und Mensch tritt.

Domkanzel 1 | Domkanzel 2

Wappen



Melanchthon



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