Eid und Friede, Innere Sammlung:

Der Verkündigungsengel

Mit dem Till-Eulenspiegel-Brunnen in seiner neuen Heimatstadt Mölln gelingt Goedtke 1950 der Durchbruch. Öffentliche Aufträge in ganz Schleswig-Holstein folgen, u.a. der Segler (Kiel, Oslokai) und der Rufer (Lauenburg, Elbe

Segler

Goedtkes Skulpturen verbinden in den Augen der zeitgenössischen Kritik auf gelungene Weise Gegenständlichkeit mit Abstraktion und sind dabei stets darauf bedacht, das Wesentliche, das Unvergängliche herauszuarbeiten und festzuhalten. (Wilhelm Friedrich, 1963)

Markus

Neben der Engelsskulptur gestaltete Goedtke die Türgriffe im Dom mit Evangelistensymbolen. Aufmerken lässt, dass in den Veröffentlichungen über Karlheinz Goedtke die Engelplastik selten besprochen wird. Zeigt sich hier eine gewisse Unsicherheit gegenüber diesem Werk?

Die erhobene Schwurhand ist eine Pathos-Gebärde, die sich auch anderswo nach 1945 findet. Aber was oder wen beschwört der Engel?

Seit dem Attentat am 20. Juli 1944 stritt man über die Bindungswirkung des Eides in einem Unrechtsregime.

Der Mut zu einer rettenden Tat gegen Eid und beschworene Pflicht wird geschwächt durch den einmal abgelegten Schwur. Noch richtiger muß man sagen: die Schwäche und Entschlußlosigkeit eine solche Tat zu wagen, entschuldigt sich dann nur zu gerne mit dem Gedanken an den Eid,und diese Schwäche beruft sich jetzt gefühlsmäßig auf eine Pflicht, welche der Verstand nicht mehr anerkennt. Jetzt ist der Eid der Eideshelfer einer Mutlosigkeit geworden. Der Konflikt endet mit Eidestreue, Eidbruch oder Selbstvernichtung. Die, welche die Völker führen, sehen richtig voraus, daß die überwiegende Mehrzahl die erste dieser drei Lösungen wählen wird. (Viktor von Weizsäcker, 1949)

Im Jahr 1956, als Goedtkes Engel entstand, wurde Schleswig wieder Garnisonsstadt und in der Kaserne „Auf der Freiheit“ sammelten sich erneut junge Männer zu Eid und Gelöbnis - ebendort, wo ihre Vorgänger Hitler unbedingten Gehorsam geschworen hatten.

Bauenrfeind

Ebenfalls 1956 beklagte der Theologe Otto Bauernfeind unter dem Titel „Eid und Friede“ die Praxis der zivilisierten Welt: Die Bereitschaft zu kriegerischen Handlungen, also zur Lebensvernichtung, wird im Fahneneid beschworen; die Bereitschaft zur Ausschaltung kriegerischer Handlungen, also zur Lebenserhaltung, wird nicht beschworen.

Eben das tut Karlheinz Goedtkes Engel. Mit allerhöchster Dringlichkeit beschwört seine ernste Gebärde die christliche Friedensbotschaft - Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

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