Gedächtnis des Todes und der Toten:

Grabdenkmale im St. Petri-Dom

Epitaph Juegert

 

Grabdenkmale und -steine mit ihren Inschriften zählt man mit vollstem Recht zu den verlässlichsten Quellen der Geschichte.
Jene sind zudem Denkmale der gleichzeitigen Kunst und Technik; diese geben uns, wenn sie lesbar erhalten sind, mehr oder minder bestimmte Namen und leider so oft allzu karge Daten über einzelne Personen, ihren Rang und ihre Wirksamkeit im Staate, in der Kirche und in der bürgerlichen Gesellschaft, und über ihre Familien, ihre Herkunft, Vermählungen und Abzweigungen. Derlei Inschriften ergänzen anderweitige mangel- oder lückenhafte Angaben, berichtigen Irriges, führen alte, ehrwürdige und verdienstvolle Namen ins Gedächtnis zurück, geben manchmal neue Kunde von verschollenen Personen und rufen weitere Forschungen hervor. – Joseph Bergmann, 1857

Epitaphe Hussen

 

Zahlreiche Epitaphe (gr. „zum Grab gehörend“) aus der Blütezeit des Herzogtums Gottorf im 16. und 17. Jahrhundert schmücken Pfeiler und Wände des St. Petri-Domes. Sie vermitteln einen Einblick in die Welt der „Oberpersonen“ (Martin Luther) am Hof und im Herzogtum, ihr Wirken und ihre Lebensumstände.

Die Bildmotive der Epitaphe umfassen in der Regel Symbole der Vergänglichkeit wie Totenschädel, Knochen und Sanduhren; dazu treten biographische Elemente – Darstellungen der Verstorbenen, Wappen und Insignien – sowie Motive der christlichen Glaubenslehre, etwa die Kreuzigung und Auferstehung von Jesus Christus, das Jüngste Gericht und die Hoffnung auf individuelle Auferstehung. Die Ausführung spiegelt Zeitgeschmack und Repräsentationsbedürfnis.

Bescheiden wirkt das Renaissance-Epitaph für Tilemann von Hussen, der als erster evangelischer Bischof am Dom wirkte und 1551 verstarb. Breiten Raum nimmt eine ausführliche Inschrift in gelehrtem Latein ein: „Er verdiente, der Oberste in dieser Diözese zu heißen, zugleich erhabener Vorstand des geistlichen Rates. Um ihn weinen die Musen der Hebräer, Griechen und Römer, bei denen der Gelehrte studierte, was nützlich zu lernen ist“. Seitlich sieht man den Bischof in Anbetung des Gekreuzigten, darunter das bischöfliche Wappen mit den zwei Schlüsseln und den Insignien der Familie von Hussen. Das Kreisornament im Kopf der Tafel lässt sich auf den Aufgang der Ostersonne vor dem bestirnten Nachthimmel beziehen.

Epitaphe Muenden

 

Das Motiv der Auferstehung ist zentral im Epitaph (1589) für den Bürgermeister Berend Münden und seine Frau Gesche. Mit der Siegesfahne entsteigt Christus dem Sarg; die Wächter sinken geblendet zu Boden, aus Jerusalem kommen drei Frauen mit Goldgefäßen zum Grab, um den Leichnam des Gekreuzigten zu salben. Die Umschrift verweist auf die Hoffnung des Glaubens: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich gleubet, der wirt leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebt und gleubet an mich, der wirt nimmermehr sterben. – Joh. 11

Margarethe Gloxin

Gestiegene Ansprüche von Bürgern und Hofbeamten an ihre öffentliche Selbstdarstellung führten zu einer Aufwertung des Familien- oder Einzelportraits auch und gerade im Epitaph. So lassen sich mit den Grabdenkmalen im Dom ganze Lebens- und Familiengeschichten nachzeichnen.

Margarete Gloxin geb. Jügert beispielsweise tritt uns zunächst als große Tochter im Kreis ihrer Geschwister – die verstorbenen Kinder halten Blumen in der Hand – auf dem Grabdenkmal für ihre Eltern (entstanden 1645) entgegen. Als verheiratete Frau sehen wir sie und ihren Mann dann auf zwei repräsentativen Portraitgemälden, die ebenfalls im Dom erhalten sind. Mit dem schwarzen Witwenschleier schließlich ist sie auf dem Epitaph für ihren Gatten, den Hof- und Kanzleirat Balthasar Gloxin (verstorben 1654) dargestellt.

Lageplan

HUssen



Muenden



Juegert



gloxin