Heilige am Vorabend der Reformation:

Hans Brüggemanns Christophorus

Christophorus

 

Du sollst wissen, dass Christoph nicht eine Person ist, sondern ist ein Ebenbild aller Christen. Die Geschichte will nicht eine Historie sein, sondern will das christliche Leben vor Augen malen. – Martin Luther, 1529

Die Bilderstürmer waren die Bilderstifter, hat man gesagt und so den Zusammenhang auf den Begriff gebracht, der die übersteigerte Heiligenverehrung vor der Reformation mit der völligen Entwertung der Werkfrömmigkeit nach Luthers Entdeckung der Heilsbotschaft des Evangeliums verbindet. Bilderstifter wie Bilderstürmer suchten im Grunde dasselbe: Gottes Barmherzigkeit, der den Menschen nicht verwirft, sondern in Gnaden annimmt.

Anders als in Wittenberg gab es im Schleswiger Dom keinen Bildersturm. Ansätze dazu beim „Tollen Friedrich“, der um 1526 im Schwahl evangelisch predigte und mit seinem Anhang die altgläubigen Gottesdienste störte, wurden schnell unterbunden.

Brueggemann

 

Deshalb hat die vom Meister des Bordesholmer Altars geschaffene und wohl durch den letzten katholischen Bischof Gottschalk von Ahlefeldt (1475 - 1541) dem Dom gestiftete monumentale Christophorus- Figur die Reformation überdauert – durchaus im Sinne Martin Luthers, der Christophorus von seiner Kritik am Heiligenkult ausdrücklich ausnahm.

Luther war der Meinung, dass die Legende von Christophorus keinen historisch belegten Heiligen schildere, sondern ein anschauliches Urbild des christlichen Lebens vor Augen stelle und deshalb auch für evangelische Christen gut und nützlich sei.

Der Legenda Aurea (ca. 1264) nach wollte der Riese Reprobus (lat. der Verworfene) nur dem mächtigsten Herrn dienen. So wurde er Knecht des Kaisers. Als er immer wieder den Namen des Teufels hörte, glaubte er, dieser sei mächtiger. Er trat in seinen Dienst. Doch der Teufel floh vor dem Kreuz Christi.Reprobus machte sich auf, diesen Herrn zu suchen.

Detail

 

Ein Einsiedler, sagte ihm, wie man Christus finden könne. Da der Riese weder Beten noch Fasten wollte, ging er den Weg des Dienens. Er baute sich eine Hütte an einem Fluss und trug Wanderer und Pilger über den Strom. Eines Nachts wollte ein Kind durch die Furt getragen werden. Der Riese nahm es auf die Schulter und stieg ins Wasser. Das Kind wurde immer schwerer. Reprobus glaubte, er müsse alle Welt auf seinen Schultern tragen und fürchtete um sein Leben.

Am anderen Ufer sagte das Kind: „Du hast nicht alle Welt auf Deinen Schultern getragen. Du hast den getragen, der alle Welt in Händen hält.“ Es versprach dem Riesen ein Zeichen: Sein Stab würde am Morgen Blüten treiben und Früchte tragen. So wurde Reprobus getauft und hieß nun Christophorus (gr. Christusträger).

Er zog umher, um Christus zu verkündigen und überlebte zahlreiche Martern. Als die Römer ihn enthaupten wollten, bat der Heilige im Gebet um Erhörung aller, die in seinem Namen Gott anrufen. Christus soll ihm seine Bitte erfüllt haben.

Die Christophorus-Figur ist aus einem mächtigen Eichenstamm geschnitzt, nur das Oberteil des Stabes und die Gewandzipfel sind angedübelt. Der Heilige gilt als Schutzpatron der Reisenden: Er schaut jeden an, der den Dom verlassen will, und wer an ihm vorübergeht, wird vom Christuskind gesegnet. Die alte Zuschreibung des Werkes an Hans Brüggemann beruht auf einem Stilvergleich mit dem Bordesholmer Altar, etwa im Blick auf das Gesicht des Heiligen und den Faltenwurf seines Mantels.

Altar

 

Duerer



Palmenzweige



Duerer2



Engel